EBA-Leitlinien für die Kreditvergabe und Überwachung aus Sicht der Gesamtbanksteuerung

Die Umsetzung der EBA- Leitlinien für die Kreditvergabe und Überwachung ist mit den technischen Möglichkeiten von VR-Control nicht ohne Weiteres möglich. Hilfreich kann die Implementierung eines Workarounds basierend auf den Möglichkeiten der Mustergeschäftskalkulation sein.

Die Veröffentlichung der EBA/GL/2020/06 „Leitlinien für die Kreditvergabe und Überwachung“ am 29. Mai 2020 sind schwerlich Breaking News zu nennen. Gut zwei Jahre sind seit der Veröffentlichung vergangen. Für die Gesamtbanksteuerung und damit auch für Geno Guide stand das Dokument in dieser Zeit nicht unbedingt im Fokus. Trotzdem lohnt sich die Lektüre insbesondere für die Bereiche des Ergebniscontrollings und des Vertriebsmanagements. Leicht zusammengefasst steht in der Leitlinie unter der Textziffer 202, dass im Rahmen der Konditionenfindung alle relevanten Kosten, die bis zum Ablauf mindestens der Zinsbindung anfallen, zu berücksichtigen sind. Die EBA nennt dabei die folgenden relevanten Komponenten:

  1. Kosten von ökonomischem und regulatorischem Kapital

  2. Kosten der Refinanzierung

  3. Betriebs- und Verwaltungskosten

  4. Erwartete Verluste aus schlagend werdenden Kreditrisiken

  5. Weitere, mit dem Darlehen in Verbindung stehenden Kosten

  6. Wettbewerbs- und Marktbedingungen

Auffällig sind aus unserer Sicht zwei Punkte: Zum einen orientiert sich die Reihenfolge nicht an dem klassischen Aufbau eines Deckungsbeitragsschemas. Zum anderen werden Einflussfaktoren genannt, die von für das Pricing verwendeten Software nicht unbedingt im Standard verwendet werden. So ist es in VR-Control CBS nicht möglich, die Kosten von regulatorisch erforderlichem Kapital in die Kalkulation zu integrieren.

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Abbildung 1: Nicht alle von der EBA genannten Komponenten werden durch VR-Control abgedeckt

Wie so häufig in der Gesamtbanksteuerung ist es auch für die Umsetzung der Leitlinien für die Kreditvergabe und Überwachung erforderlich, sich aus diesen Gründen eines Workarounds zu bedienen. Wir empfehlen in diesem Zusammenhang die Arbeit mit Mustergeschäften und die Anlage eines geeigneten Konditionentableaus.

Die Arbeitsschritte sind, grob umrissenen, die folgenden:

  1. Definition der Mustergeschäfte: Mustergeschäfte sollten differenziert werden hinsichtlich der preissensitiven Eigengeschäfte. Bei den regulatorischen Eigenkapitalkosten sind dies zum Beispiel die Art und die Höhe der Besicherung

  2. Anlage der Mustergeschäfte in VR-Control: Zur einfachen Verwendung in einem Konditionentableau empfiehlt es sich, eine Systematik für den Namen zu entwickeln. Aus dem Namen sollte eindeutig hervorgehen, wie die Ausprägung der zur Differenzierung verwendeten Kriterien ist. Werden Mustergeschäfte zum Beispiel nach Laufzeit, Besicherungsquote und Kundenbonität unterschieden, könnte ein Name „18 Monate#80 Prozent#2e“ lauten.

  3. Iteration der Kundenkondition auf die gewünschte Netto-Marge mit VR-Control. Dabei werden alle Deckungsbeitragskomponenten von VR-Control berücksichtigt, die als relevant erachtet werden. Sollen zum Beispiel anstelle der ökonomischen Eigenkapitalkosten, wie sie durch VR-Control kalkuliert werden, regulatorische Kosten im Pricing Berücksichtigung finden, wird auf die Nettomarge vor Eigenkapital iteriert.

  4. Berechnung der Kostenkomponente, die durch VR-Control nicht bewertet werden kann (zum Beispiel die regulatorischen Eigenkapitalkosten). Es empfiehlt sich, für die Kalkulation auf bestehende Ergebnisgrößen von VR-Control zurückzugreifen, die man für eine Dreisatzrechnung verwenden kann.

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5. Da eine Iteration auf die neuen Kostenkomponenten nicht möglich ist, wird auf die berechnete Kundenkondition aus Schritt 3 der ermittelte              Margenbestandteil (zum Beispiel Marge Eigenkapitalkosten regulatorisch) hinzugefügt.

Die Vorgehensweise führt nicht zu so exakten Ergebnissen, wie diese durch eine Integration in VR-Control erzielt werden könnten. Es ist aber möglich, einen stabilen Workaround zu konstruieren. Erforderlich ist nur noch der Aufbau eines geeigneten Mediums, um die Ergebnisse der Mustergeschäftskalkulation an die Mitarbeiter des Marktes zu transportieren. Hierfür bieten sich Online-Lösungen wie zum Beispiel Power BI an.

Neben der fachlichen Konzeption für das vollständige Pricing und den technischen Aufbau eines Konditionentableaus ist auch die Implementierung geeigneter Prozesse für die regelmäßige Aktualisierung und Kommunikation der Ergebnisse erforderlich. Wir unterstützen Sie hierbei gerne, sprechen Sie uns bei Interesse jederzeit gerne an.

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