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Strategische Zinsbuchsteuerung - Nachhaltiger Erfolgsfaktor in der Steuerung

14.06.2023

Die Fristentransformation stellt seit jeher, neben dem Kundengeschäftsergebnis, eine wichtige Ertragsquelle in der Kreditwirtschaft dar. Das Ziel der Zinsbuchsteuerung ist die Vermögensmehrung der Bank, indem Zusatzerträge durch eine bewusste Fristentransformation erzielt werden. Die Zinsbuchsteuerung stellt somit einen wesentlichen Eckpfeiler für den nachhaltigen Erfolg des Geschäftsmodells dar. Der Fokus liegt auf einer vermögensorientierten Betrachtung, da die periodische Sichtweise, durch anzuwendende Rechnungslegungsvorschriften, nicht den Marktwert von Vermögen und Kapital sachgerecht widerspiegelt und somit den Vermögenswert der Bank „verzerrt“. Eine ausschließlich periodische Betrachtung kann dadurch „Fehlimpulse“ erzeugen.

Obwohl die Zinsbuchsteuerung, als wertorientiertes Ertrags- und Risikosteuerungskonzept, vor mehr als 20 Jahren etabliert wurde, findet diese heute immer noch in vielen Instituten keine (stringente) Anwendung. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig und unterscheiden sich von Institut zu Institut. Oftmals ist dies auf die GuV-orientierte Sichtweise der Aufsicht und vor allem auf die in der Vergangenheit dominierenden Risikotragfähigkeitskonzepte, welche sich an Bilanzstichtagen orientierten, zurückführen. Flankierend wurde dies durch die vermeintliche Komplexität der Zinsbuchsteuerung verstärkt.

Mit der Einführung der neuen aufsichtlichen Risikotragfähigkeit (ICAAP), wurde die ökonomische bzw. wertorientierte Steuerung als gleichberechtigter Steuerungsansatz, neben der normativen bzw. GuV-orientierten Sichtweise, etabliert und lässt zumindest das erste Argument obsolet werden.

Auch die vermeintliche Komplexität der Zinsbuchsteuerung lässt sich durch eine pragmatische Umsetzung der Methode deutlich reduzieren. Eckpunkte der Zinsbuchsteuerung wären vor diesen Hintergrund die folgenden Prämissen:

  • Die Gesamtpositionierung muss unter Berücksichtigung von Ertrag und Risiko effizient sein;

  • Fristentransformation muss dann eingegangen werden, wenn es sich lohnt, sie also einen Mehrertrag erbringen kann;

  • die Ausrichtung der Steuerungsphilosophie muss, vor dem Hintergrund der relevanten Kennzahlen (Limit, normative Vorgaben), durchhaltbar und ressourcenschonend in der Umsetzung sein;

  • eine Regelgebundene Steuerung muss gelebt werden! Dies bedeutet, sie muss Impulse für das Eigengeschäft einer Bank auslösen, sobald definierte Handlungsschwellen erreicht sind.

Die erste Prämisse ist intuitiv verständlich. Eine Positionierung, welche aus Ertrags- und Risikogesichtspunkten (z.B. gemessen anhand eines RORAC) jederzeit andere Positionen übertrifft bzw. dominiert, ist anderen ineffizienteren Positionierungen vorzuziehen. So gilt auf eine lange, strategische Sicht, die gleitende 10-Jahres Zielpositionierung als effizienter gegenüber anderen Positionierungen. D.h. bei gleichem Einsatz von Risikokapital ist sie in der Lage mehr Ertrag zu generieren bzw. sie benötigt langfristig weniger Risikokapitaleinsatz für die gleiche Performanceentwicklung wie andere Positionierungen.

Zinsbuch-Grafik.png

Zudem enstehen Fristentransformationsergebnisse und damit auch Zinsänderungsrisiken durch die Aufnahme kurzfristiger Refinanzierungen und deren langfristiger Anlage. Die daraus resultierenden Erträge sind somit explizit von der „Steilheit“ (z.B. Differenz 3-Monats und 10-Jahres Swapsatz) der Zinsstrukturkurve abhängig. Entsprechend lohnenswert ist Fristentransformation insbesondere dann („Hebelung der Benchmark“) zu betreiben, wenn eine hohe Kurvensteilheit vorliegt bzw. zwischen den Stützpunkten einer Zinsstrukturkurve, welche die höchste Steilheit aufweist.

Letztlich muss die Ausrichtig des Zinsbuchs operationell und strategisch umsetzbar sein. Dies setzt voraus, dass Limite bzw. normative Vorgaben, auch in Stressphasen eingehalten werden können und die Zielpositionierung kostenschonend umgesetzt werden kann.

Der Erfolg einer wertorientierten Zinsbuchsteuerung lässt sich allerdings nur bei konsequenter Umsetzung und „gelebter“, regelgebundener Steuerung generieren.

Sie haben Interesse an einem Austausch über Ihre Zinsbuchsteuerung? Dann kommen Sie gerne auf uns zu!

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